Sprich die Sprache des Wassers: Lerne die wichtigsten Signale und Funkregeln für sicheres Segeln

Sprich die Sprache des Wassers: Lerne die wichtigsten Signale und Funkregeln für sicheres Segeln

Wer in Deutschland auf Nord- oder Ostsee, auf einem Binnensee oder Fluss unterwegs ist, sollte nicht nur Wind und Wellen lesen können, sondern auch die Sprache des Wassers verstehen. Dazu gehören die internationalen Signale, Lichter und Funkregeln, die für Sicherheit und Ordnung auf dem Wasser sorgen. Hier erfährst du, welche Zeichen und Kommunikationsformen du kennen solltest, um sicher und verantwortungsvoll zu segeln.
Warum Signale und Funkkommunikation so wichtig sind
Auf dem Wasser gibt es keine Fahrbahnmarkierungen oder Ampeln. Stattdessen regeln Lichter, Flaggen, Schallsignale und Funkverkehr den „Verkehr“. Sie helfen, Missverständnisse zu vermeiden, zeigen Absichten an und ermöglichen schnelle Hilfe im Notfall. Gerade in stark befahrenen Revieren wie der Kieler Förde, dem Bodensee oder der Elbmündung ist es entscheidend, dass alle Beteiligten dieselben Regeln kennen und anwenden.
Die wichtigsten visuellen Signale
Visuelle Signale zeigen, wer du bist, was du tust und in welcher Situation sich dein Boot befindet. Sie sind besonders wichtig bei schlechter Sicht oder in engen Fahrwassern.
- Positionslichter (Lichterführung): Nachts und bei schlechter Sicht müssen alle Fahrzeuge ihre Lichter führen. Eine Segelyacht zeigt ein grünes und ein rotes Seitenlicht sowie ein weißes Hecklicht. Motorboote führen zusätzlich ein weißes Topplicht.
- Signalflaggen: Die internationalen Signalflaggen dienen der kurzen, klaren Kommunikation. Das Flaggenzeichen „A“ bedeutet: „Taucher im Wasser – Abstand halten und langsam fahren“. Die Kombination „N“ über „C“ steht für „Nein“ oder „Ich kann nicht“.
- Tagessignale: Am Tag werden schwarze Formen wie Kugeln, Kegel oder Rhomben gesetzt. Eine schwarze Kugel zeigt z. B. an, dass das Schiff vor Anker liegt. Ein Kegel mit der Spitze nach unten bedeutet, dass ein Segelboot zusätzlich den Motor benutzt.
Diese Signale sind international gültig und werden auch in deutschen Gewässern nach der Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung (SeeSchStrO) angewendet.
Funkkommunikation – deine Lebenslinie auf See
Ein UKW-Seefunkgerät (VHF) ist eines der wichtigsten Sicherheitsmittel an Bord. Es ermöglicht den Kontakt zu anderen Schiffen, Häfen, Schleusen und der Seenotleitung. Anders als ein Mobiltelefon funktioniert der Seefunk auch weit außerhalb des Küstenbereichs und kann Notrufe an alle in Reichweite senden.
Die wichtigsten Kanäle
- Kanal 16 (156,8 MHz): Internationaler Not-, Sicherheits- und Anrufkanal. Hier werden Notrufe („MAYDAY“) und Sicherheitsmeldungen abgesetzt.
- Kanal 70: Wird für digitale Notrufe (DSC) genutzt – moderne Funkgeräte senden hier automatisch Positionsdaten.
- Kanal 72 und 77: Häufig für die Kommunikation zwischen Sportbooten verwendet, nachdem der erste Kontakt über Kanal 16 hergestellt wurde.
- Kanal 67: Wird in Deutschland oft von der Verkehrszentrale oder der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) für Sicherheitsmeldungen genutzt.
So sendest du einen Notruf
Wenn du in ernster Gefahr bist, rufe über Kanal 16: „MAYDAY, MAYDAY, MAYDAY“, gefolgt von
- Name und Rufzeichen deines Bootes
- Position (Koordinaten oder markante Punkte)
- Art des Notfalls (z. B. Feuer, Wassereinbruch, Mensch über Bord)
- Welche Hilfe du benötigst
- Anzahl der Personen an Bord
Wiederhole den Notruf, bis du eine Antwort erhältst. Bei weniger dringenden Situationen nutzt du das Wort „PAN PAN“.
Gute Funkpraxis – klar, kurz und korrekt
Funkgespräche sollten ruhig, deutlich und sachlich geführt werden. Verwende kurze Sätze, wiederhole wichtige Informationen und vermeide unnötige Gespräche auf dem Notkanal. In Deutschland ist für den Betrieb eines UKW-Seefunkgeräts ein Funkzeugnis erforderlich – für den Binnenbereich das UBI, für Seegewässer das SRC (Short Range Certificate). Diese Lehrgänge vermitteln die nötigen Kenntnisse über Technik, Funkverfahren und internationale Vorschriften.
Schallsignale – wenn man sich nicht sieht
Bei Nebel, Regen oder Dunkelheit sind Schallsignale oft die einzige Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen. Ein langes Hornsignal bedeutet beispielsweise: „Ich fahre voraus“. Zwei kurze Signale zeigen an, dass du nach Backbord drehst, drei kurze nach Steuerbord. Auch in Häfen oder engen Fahrwassern helfen Schallsignale, Zusammenstöße zu vermeiden. Jedes Boot sollte daher ein funktionierendes Schallsignalgerät an Bord haben.
Sicherheit beginnt an Land
Sicheres Segeln heißt, vorbereitet zu sein. Bevor du ablegst, solltest du:
- prüfen, ob Lichter, Funkgerät und Sicherheitsausrüstung funktionieren,
- aktuelle Seekarten und Wetterberichte einholen,
- deine Route und Rückkehrzeit an Land mitteilen,
- mit der Crew Notverfahren und Funkrufe üben.
Je besser du vorbereitet bist, desto ruhiger und effizienter kannst du im Ernstfall handeln.
Ein gemeinsames Verständnis auf dem Wasser
Wenn alle Seglerinnen und Segler dieselben Signale und Funkregeln beherrschen, entsteht ein sicheres und respektvolles Miteinander auf dem Wasser. Die Sprache des Wassers zu sprechen bedeutet, Verantwortung zu übernehmen – für dich selbst, deine Crew und alle, die mit dir unterwegs sind. So wird Segeln nicht nur sicherer, sondern auch zu einem echten Ausdruck von Seemannschaft und Gemeinschaft.













